ARCHIV EINER ZEITSCHRIFTLITERATUR MIT EIGENSINN. UND EIN BISSCHEN UNFUG.
EXOT
DIE ZEITSCHRIFT / 2005–2015

EXOT – die Zeitschrift für komische Literatur und der Satyr Verlag

Neunzehn Hefte komischer Literatur, entstanden aus einer Szene, die sonst auf Bühnen zu Hause war.

Was die Zeitschrift EXOT war, lässt sich in einem Satz sagen: eine Zeitschrift für komische Literatur, neunzehn Ausgaben lang. EXOT hatte seine Wurzeln in der deutschsprachigen Autorenszene rund um Poetry Slam und Lesebühnen und war die Nachfolgerin des eingestellten Online-Magazins „Hanebüchlein“. Ähnlich wie „Der Rabe“ zwei Jahrzehnte zuvor erschien die Zeitschrift im Taschenbuchformat und war durchgehend illustriert. Die ersten Ausgaben gaben Anselm Neft, Christian Bartel und Francis Kirps heraus, später kamen Olaf Guercke und Ella Carina Werner dazu; zuletzt verantworteten Francis Kirps, Anselm Neft, Lino Wirag und Tilman Strasser das Heft.

Eine Zeitschrift für komische Literatur, halbjährlich

Unter dem Motto „EXOT ist mehr als ein Lebensgefühl: Es ist ein Heft“ versuchte die Zeitschrift, die Vielfalt des gegenwärtigen komischen Literaturschaffens abzubilden. Schwerpunkte bildeten kurze Prosa – tragikomische Alltagserzählungen, Grotesken –, feuilletonistische Texte und komische Lyrik, darunter einmal ein vollständiger Sonettenkranz über Computerspiele. Dazu kamen Comics und Cartoons.

Eine eigene Linie war die Wiederentdeckung freiwillig oder unfreiwillig komischer Autoren, die längst nicht mehr auf dem Buchmarkt präsent waren: Quirinus Kuhlmann, Hermann Harry Schmitz, Kurt Kusenberg. Aus dieser Linie ging 2008 auch der Quirinus-Kuhlmann-Preis für versehentlich komische Literatur hervor.

Als Zeitschrift für komische Literatur hat EXOT nie erklärt, was daran komisch sein soll – das überließ sie den Heften.

Der Ton, in dem die Redaktion über sich selbst sprach

Wie ernst es der Zeitschrift mit sich selbst war, lässt sich an ihrer eigenen Leitbildseite ablesen. Dort stellte sie sich als „Luxemburgs führender Dienstleister für komische Literatur“ vor, der „in einer unnachahmlichen Erfolgsgeschichte nach globaler Vollreferenz im Humorsegment“ strebe. Die Philosophie ruhe auf vier Säulen – „Erfolg, Erfolg, Erfolg und Erfolg“ –, darauf vier Querstreben: „Leistung, Logistik, Lustigkeit und Leckmichamarsch“.

Die Mitarbeiter seien „ein eingespieltes Team von best practicing Boccia players“, deren „ineinandergreifende Konkurrenzprofile durch die Bereitschaft abgerundet“ würden, „sich und andere für EXOT bedingungslos auszubeuten“. Und zur gesellschaftlichen Verantwortung: „Corporate Responsibility ist bei uns nicht nur ein Wort. Es sind zwei.“ Wer wissen will, wie eine Literaturzeitschrift klingt, die sich über Unternehmenssprache lustig macht und dabei keine Silbe zu viel verwendet, findet hier das Muster. Den Hinweis auf die passende Beratungsphilosophie lieferte die Redaktion gleich mit – hier.

Anselm Neft firmierte auf derselben Seite als „Chief Customer Officer, Indecent Apprentice Supervisor & Operating Thetan“ und wurde mit dem Satz zitiert, der später zum Motto der ganzen Zeitschrift wurde: „EXOT, das ist für mich mehr als ein Lebensgefühl. Es ist ein Heft.“

Muschel Verlag, dann Satyr Verlag

Die ersten Jahrgänge erschienen im Selbstverlag und teils im Kölner Muschel Verlag; ab 2012 kooperierte die Zeitschrift für komische Literatur mit dem Berliner Satyr Verlag, der ihr ISBN und Buchhandel brachte. Wer wissen will, was die Zeitschrift EXOT war, findet die Antwort weniger in ihrem Programm als in dieser Mischung aus Bühne, Selbstverlag und Verlagshaus.

Über das Heft hinaus

Drei Projekte verließen den Buchdeckel. Das Paulusprojekt sammelte 2006 im Andenken an Robert Gernhardt fast zweitausend neue Paulusbriefe. Die Buergelmaschine erzeugte von 2007 bis 2010 zu jedem Bild eine Kunstkritik und brachte es bis in Die Welt und den Spiegel. Und der Quirinus-Kuhlmann-Preis zeichnete 2008 Thomas Brussig aus.

Das Ende

Nach Ausgabe 19 im Sommer 2015 ist keine weitere erschienen. Die neunzehn Hefte sind geblieben, dazu die Namen der Beteiligten und ein Pressespiegel, der zeigt, dass eine Zeitschrift mit fünfhundert gedruckten Exemplaren bis in die FAZ und die TITANIC reichen konnte.

NOCH FRAGEN?

Häufige Fragen

Was war EXOT genau?

Eine deutschsprachige Literaturzeitschrift für komische Literatur. Sie erschien von 2005 bis 2015 halbjährlich im Taschenbuchformat, durchgehend illustriert, in einer Auflage von etwa fünfhundert Stück.

Woher kam die Zeitschrift?

Aus der Autorenszene rund um Poetry Slam und Lesebühnen. EXOT war die Nachfolgerin des eingestellten Online-Magazins „Hanebüchlein“.

Wer hat sie herausgegeben?

Zuletzt Francis Kirps, Anselm Neft, Lino Wirag und Tilman Strasser. Die ersten Ausgaben verantworteten Anselm Neft, Christian Bartel und Francis Kirps, später kamen Olaf Guercke und Ella Carina Werner dazu.

In welchem Verlag erschien EXOT?

Einige Ausgaben im Kölner Muschel Verlag, ab 2012 in Kooperation mit dem Berliner Satyr Verlag.

Warum „kosmische“ Literatur?

Weil die Redaktion den Buchstabendreher zum Programm gemacht hat. Im Untertitel der Hefte und auf der eigenen Website stand „Zeitschrift für kosmische Literatur“; Bibliothekskataloge führen sie als „komische“.

Gibt es EXOT noch?

Nein. Nach der Sommerausgabe 2015 ist keine weitere Ausgabe erschienen.

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EXOT / LESEZIMMER

ENDE. ABER NICHT SCHLUSS.

Was hier steht – und was nicht.

Diese Seiten dokumentieren die Literaturzeitschrift EXOT, die von 2005 bis 2015 in 19 Ausgaben erschien. Sie werden weder von der ehemaligen Redaktion noch von einem der beteiligten Verlage betrieben. Rechte an den historischen Texten und Illustrationen liegen bei den jeweiligen Urheberinnen und Urhebern.

Die drei Lesestücke im Lesezimmer sind Originaltexte dieses Archivs, keine historischen EXOT-Beiträge. Die Bildmotive sind AI-generiert. Suche, Filter und Merkliste funktionieren lokal; es werden keine Anmeldungen oder Bestellungen entgegengenommen.